30 Jahre ciling: Vom Zwei-Mann-Büro zur Spanndecken-Manufaktur mit Zukunft

Am 27.06.2026 fand in Oftersheim die Feier zum 30-jährigen Jubiläum von ciling statt.

„Ich dachte, er meint Bettdecken.“ Als Bernhard Müller seiner Frau Gabriele Müller 1996 eröffnete, er wolle unbedingt in den Vertrieb einsteigen und ein Produkt bekannt machen, das damals kaum jemand kannte, fiel bei ihm ständig nur ein Wort: Decken. Gabi Müller dachte, es ginge zunächst um Zudecken, Bettdecken – irgendetwas zum Kuscheln, jedenfalls nichts, das an einer Zimmerdecke hängt. „Ich konnte mit der Aussage, er wolle Deckenvertrieb machen, überhaupt nichts anfangen und habe mich ernsthaft gefragt, ob mein Mann jetzt verrückt geworden ist“, erinnert sie sich noch heute mit einem Schmunzeln. Den Glanz in seinen Augen konnte sie erst nachvollziehen, als sie das Produkt selbst sah – eine Decke, tatsächlich an der Decke montiert. Von da an war auch sie Feuer und Flamme, stand voll hinter der Idee ihres Mannes und trug sie mit. Gemeinsam bauten die beiden auf, was heute als ciling in Oftersheim steht.

Ein Tisch mit Handmustern, zwei Stühle, ein Stand auf einer Sanitärmesse – so klein hat es angefangen. Am Samstag, den 26. Juni 2026, feierte das Oftersheimer Unternehmen ciling mit über hundert Gästen sein 30-jähriges Bestehen. Von 11 Uhr bis in den späten Abend hinein füllten sich die 800 Quadratmeter große Ausstellung, die Produktion und auch der große Hof mit Kunden, Lieferanten, Weggefährten und Mitarbeitenden, unter ihnen auch Bürgermeister Pascal Seidel und Mitglieder aus dem Gemeinderat. Gefeiert wurde eine Geschichte, die 1996 in einem kleinen Büro in St. Leon-Rot begann und heute eine Produktion, ein Lager und eine Akademie in Oftersheim umfasst.

In seinem Grußwort würdigte Bürgermeister Pascal Seidel das Familienunternehmen ciling als gelungenes Beispiel für einen Generationenwechsel im Mittelstand. „ciling Decken und Licht ist ein Familienunternehmen, das 1996 von Bernhard Müller gegründet wurde“, sagte Seidel. „Ein besonderer Meilenstein ist für die Stadt der Umzug des Unternehmens in den Gewerbepark Hardtwald gewesen, wohin später auch die Produktion folgte. Genau dort zeige sich, wie Familienunternehmen gelebt werde: Die Geschäftsführung sei schrittweise erweitert worden, 2011 mit Sandra Manni, 2024 mit Denis Müller.“ Seidel betonte zudem, wie eng ciling mit Oftersheim verbunden sei – als Arbeitgeber, Ausbilder und mit einem Angebot, das deutschlandweit für viele andere ebenfalls attraktiv sei.

Ein Produkt, das noch niemand kannte

Bernhard Müller kam 1996 eher zufällig mit dem Produkt Spanndecke in Berührung – und blieb sofort dabei hängen. Spanndecken waren zu dieser Zeit in Deutschland nahezu unbekannt, erklärungsbedürftig, ein Nischenprodukt ohne Markt. Müller stieg zunächst im Vertrieb für einen Hersteller ein, machte sich kurz darauf selbstständig und gründete mit einem Geschäftspartner das kleine Büro, aus dem später ciling wurde.

Die ersten Bestellungen kamen per Fax. Manche davon, erzählte Denis Müller den Gästen in seiner Rede, liegen bis heute im Archiv. Jede einzelne war damals ein kleiner Triumph: ein neuer Kunde, ein Beweis dafür, dass die Idee trägt.

Wie knapp der Start tatsächlich war, zeigte sich auf der ersten Messe des jungen Unternehmens, einer Sanitärmesse in Frankfurt. Der zugeteilte Stand lag am Rand der Halle – und war winzig. Wir saßen dort ausgestattet mit nur einem Tisch für Handmuster und zwei Stühlen. Die „Großen“ der Branche belächelten uns anfangs. Am Ende der Messe verzeichnete ciling dennoch mehr als 100 Kontakte und 65 Anmeldungen für Schulungen. „Da wussten wir: Wir haben einen Nerv getroffen“, erinnerte sich Bernhard Müller. Ein weiterer Beweis lies nicht lange auf sich warten: Das Handwerk wartete nur auf eine Innovation wie unsere. Kurz darauf griff das „Deutsche Malerblatt“ das Thema Spanndecke in einem Artikel auf – die Nachfrage zog spürbar an.

Nicht jede Etappe verlief reibungslos. Auf der Suche nach verlässlicher Qualität führte der Weg des Unternehmens in die Schweiz, wo eine Partnerschaft in Enttäuschung endete. Statt aufzugeben, kaufte ciling eigene Maschinen, holte Fachleute an Bord und baute eine eigene Fertigung auf.

2007 folgte ein Meilenstien, denn Wachstum braucht Platz. Nach 18 Monaten Bauzeit folgte der Umzug in das eigene, neue Firmengebäude in Oftersheim. Endlich war alles unter einem Dach: Verwaltung, Schulungsräume und eine Lagerhalle, die groß genug für das ständig wachsende Sortiment war. Nur ein Jahr später folgte die Eröffnung der großen Ausstellung – ein Ort, an dem Kunden die Magie von Spanndecken und Licht live erleben konnten.

Zwischen 2018 und 2019 zog schließlich die gesamte Produktion von der Schweiz nach Oftersheim um – ein Kraftakt, für den unter anderem Markus Müller ein Jahr lang in der Schweiz jeden Handgriff und jede Schweißnaht persönlich lernte, bevor die Maschinen in Deutschland anliefen. So wurde alles perfektioniert, bevor wir hier den Startknopf gedrückt haben. Das ist unser Verständnis von Qualität „Made in Germany“.

Die nächste Generation übernimmt

Wie bei vielen Familienunternehmen war auch bei ciling der Generationswechsel kein geräuschloser Prozess. 2011 ist Sandra Manni (Tochter) in die Geschäftsführung gekommen und seit 2024 führen Sandra und ihr Mitgeschäftsführer Denis Müller das operative Geschäft, nachdem Bernhard Müller schrittweise Verantwortung abgegeben hatte. Markus Müller leitet heute als Geschäftsführer die Produktion Cilextra und Lukas Müller hat den Montagebetrieb vor Ort zu einem festen Ansprechpartner für Endkunden in der Region aufgebaut.

„Bernhard hat Verantwortung nicht einfach abgegeben. Er hat uns auf Verantwortung vorbereitet“, sagte Geschäftsführer Denis Müller in seiner Rede und dankte dem Gründer für Vertrauen und Weitblick. Ausdrücklich gewürdigt wurde auch Gabi Müller, die als Ehefrau des Gründers über Jahrzehnte die Familie zusammenhielt und gleichzeitig bis heute in der Buchhaltung des Unternehmens mitarbeitet.

Auch die Corona-Jahre blieben nicht ohne Spuren: Private Investitionen wurden verschoben oder gestrichen, und die Baubranche hat sich seither nicht in dem Tempo erholt, das sich viele erhofft hatten. Steigende Zinsen und ein zurückhaltendes Investitionsverhalten prägen die Branche bis heute. Bei ciling führte das zu einer kritischen Bestandsaufnahme eigener Abläufe und Strukturen – und, wie es in der Rede hieß, letztlich zu einem stärkeren Unternehmen.

Mehr als Spanndecken

Aus der reinen Spanndecke ist über drei Jahrzehnte ein deutlich breiteres Portfolio geworden. Auf die Deckenlösung folgte passende Beleuchtung, weshalb aus dem ursprünglichen Deckenvertrieb „Decken und Licht“ wurde. Hinzu kamen Elektronik in Zusammenarbeit mit Impolux, Infrarot-Heizsysteme sowie – als jüngstes Kapitel – fugenlose Bäder. In der unternehmenseigenen Akademie gibt ciling zudem sein Wissen an Fachbetriebe und Architekten weiter, die eigene Montageschulungen durchlaufen.

Was uns ausmacht:

  • Spanndecken: Die Basis für die Ideen im eigene Zuhause oder Geschäftsräumen.
  • Lichtlösungen: Von Einbaustrahlern, LED-Lichtleisten über Light Lines und vieles mehr ist im Sortiment.
  • Infrarot-Heizsysteme: Wohlfühlwärme von oben, die unsichtbar und effizient ist.
  • Fugenlose Bäder: Die optimale Ergänzung bei der Neugestaltung von Bädern.
  • Akademie: Es geht nicht nur um das Material, sondern wir bilden bei unseren eigenen Montageschulungen die Fachpartner aus. Das sicherte unsere Qualität.

Das gilt übrigens auch für unsere Partner: In unserer hauseigenen Akademie geben wir dieses Wissen weiter, damit Fachverarbeiter und Architekten die Sicherheit haben, die sie für ihre kreativen Projekte brauchen.

Besonderen Applaus bekamen bei der Feier die Mitarbeitenden. Im Schnitt sind sie seit deutlich über zehn Jahren im Unternehmen, einzelne wie Heidrun Edinger und Marco Bode seit mehr als 25 Jahren. Auch den zahlreichen Kunden, Lieferanten und Partnern, die beim Bau der Ausstellung mit angepackt hatten, wurde ausdrücklich gedankt.

Zu diesen langjährigen Partnern zählt auch der Folienhersteller Renolit. Seit 27 Jahren ist ciling mit dem Unternehmen verbunden – „leider keine 30“, wie Mike Holzemer von Renolit bei der Feier mit einem Schmunzeln anmerkte. Bernhard Müller habe von Beginn an ausschließlich mit Renolit zusammenarbeiten und die Folien nur von dort beziehen wollen, was aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten zunächst nicht gelang. Seit 27 Jahren pflegen beide Unternehmen dennoch ein gutes Miteinander. Weil die Folien aus der Nähe kommen und Produkte, Folien und Lichtlösungen allesamt in Oftersheim gefertigt werden, entsteht nach Angaben Holzemers eine besonders regionale Wertschöpfung – kurze Wege, auf die man bei ciling stolz sei.

Auch weitere Partner wie Duschking ließen es sich nicht nehmen, bei der Feier persönlich zu gratulieren. Patrik Lalk von der Firma Lalk brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: „Drei Jahrzehnte voller Handwerk, Mut und Beständigkeit. Dreißig Jahre sind in unserer Branche alles andere als selbstverständlich. Deshalb ist das für uns nicht nur ein Jubiläum, sondern ein echtes Lebenswerk.“ Seine Firma verbinde bereits seit 25 Jahren eine enge Partnerschaft mit ciling. Man freue sich, was daraus schon geworden sei – und was in Zukunft noch daraus werden dürfe.

Für Stimmung sorgten neben all den Reden auch das Rahmenprogramm. Am Nachmittag spielte die Schülerband Noize aus Ketsch auf und begeisterte die Gäste mit ihrem Können. Am Abend übernahm dann ein DJ, der das Fest bis in die späten Stunden ausklingen ließ.

Ein Fest mit Blick nach vorn

Zum Abschluss richtete Denis Müller den Blick nach vorn: Alle der kommenden Generation werden die Geschichte von ciling weiterschreiben, mit neuen Ideen und derselben Offenheit, die das Unternehmen seit 1996 trägt. Wer die Ausstellung am Samstag betrat, konnte spüren, dass von der anfänglichen Bescheidenheit wenig übrig geblieben ist – der Aufbruchsgeist der ersten Messe in Frankfurt aber offenbar geblieben ist. Das gesamte Team der ciling freut sich auf die nächsten Jahre und dankt allen Beteiligten und Gästen für diesen besonderen Tag.

Heute ist ciling weit mehr als ein Handwerksbetrieb. Es ist eine Manufaktur für Raumgefühl. ciling schafft Raum für Ideen. Wer die Ausstellung in Oftersheim betritt, spürt noch immer denselben Geist wie vor 30 Jahren: Die Begeisterung für das Produkt und die Freude daran, mit Menschen zusammenzuarbeiten. 30 Jahre und kein bisschen leise. Rückblickend erfüllt mich ein Zitat besonders: „Freiheit ist nicht zu tun, was man will, sondern nicht tun zu müssen, was andere wollen.“ Wir freuen uns darauf, auch in den nächsten Jahrzehnten Räume zum Strahlen zu bringen. 30 Jahre ciling sind erst der Anfang. Wir haben diese Freiheit genutzt, um etwas Bleibendes zu schaffen. Dass nun die nächste Generation die Geschichte von ciling weiter schreibt, ist für mich das größte Geschenk. Wir bleiben offen für neue Ideen, für technologische Exzellenz und vor allem für Sie.